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Oft ist die Meinung zu hören, der Kaiser selbst habe die Überlebenden beziehungsweise deren Verwandten mit dem Namenszusatz "Emden" ehren wollen. Dass dem nicht so ist, wissen nur einige. Die Zeitschrift "Marine", die Vorläuferin der heutigen "Leinen Los" als Verbandszeitschrift des Deutschen Marinebundes, veröffentlichte im Jahr 1971 einen Artikel, der sich mit diesem Thema befasst. Er wurde und dankenswerterweise von Wolfgang Schumann aus Emden zur Verfügung gestellt.
Der Artikel stammt von Horst Dabrowski, der zehn Jahre lang Sachbearbeiter für Namensangelegenheiten beim Senator für Inneres in Bremen.

"Es ist ein Irrtum, wenn angenommen wird, dass Wilhelm II, ehemaliger deutscher Kaiser, die tapfere "Emden"-Besatzung nach ihrer Rückkehr in die Heimat ehren wollte, indem er ihnen das Recht verlieh, ihrem bisherigen Familiennamen das Wort "Emden" hinzuzufügen, sich also z.B. "von Müller-Emden" zu nennen. Er konnte es gar nicht, denn als die Männer des Kleinen Kreuzers "Emden" 1920 aus der Kriegsgefangenschaft beziehungsweise Internierung entlassen wurden, war der deutsche Kaiser bereits aller Macht entblößt und befand sich im Exil im holländischen Doorn. Aber auch der ehemalige Reichspräsident Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und der spätere Großadmiral Dr. h.c. Erich Raeder haben mit der Sache nichts oder wenig zu tun. Am aufschlußreichsten dürfte ein Schreiben des Reichsministers des Innern vom 8. Juni 1933 an die außerpreußischen Landesregierungen sein (AZ.: II B 5200/27, 5), das nachstehend im vollen Wortlaut wiedergegeben wird (der RMI war gleichzeitig preußischer Innenminister!):


Betrifft: Verleihung des Namenszusatzes "Emden" an Überlebende des Kreuzers "Emden".

Um die Erinnerung an die hervorragenden Kriegstaten des Kleinen Kreuzers "Emden" zu festigen, hatte die Preußische Regierung in den Jahren 1920/21 nach Verständigung mit dem Herrn Reichswehrminister verfügt, dass den preußischen Überlebenden der etwa 280 Mann zählenden Kriegsbesatzung des Kreuzers auf Antrag zu genehmigen sei, die Bezeichnung "Emden" als Zusatz zu ihrem Familiennamen zu führen. Als Endtermin für Anträge auf Verleihung dieses Namenszusatzes war der 1. August 1931 festgesetzt worden.

Wie mir der Herr Reichswehrminister mitteilt, haben sich seinerzeit zahlreiche außerpreußische Landesregierungen dem Vorgehen Preußens angeschlossen.

Um denjenigen Personen, die aus irgendwelchen, zumal etwa politischen Gründen gezögert haben, um den Gnadenakt der Namensänderung einzukommen, diese Möglichkeit nochmals zu eröffnen, hat der Herr Preußische Minister des Innern vorgesehen, daß nunmehr weiterhin Anträgen, die bis zum 31. Dezember 1933 gestellt werden, entsprochen wird.

Im Einvernehmen mit dem Herrn Reichswehrminister darf ich ergebenst empfehlen, dortseits die gleiche Regelung zu treffen.“


Vielleicht darf zwischendurch eingeflochten werden, daß es sich bei dem Namensänderungsrecht um öffentliches Recht handelt. Es bedarf zu einer Namensänderung, damals wie heute, eines wohlbegründeten Antrags dessen, der den Wunsch auf Änderung seines Familiennamens hat. Die zuständige Behörde verfügt nach Prüfung der Namensänderungsgründe die Änderung des Familiennamens des Antragstellers (ggf. auch des Namens der Ehefrau und der unter seiner elterlichen Gewalt gem. §§ 1355, 1616 BGB stehenden Kinder) und händigt eine Namensänderungsurkunde aus. Die Namensänderung selbst wird wirksam mit Aushändigung der Namensänderungsurkunde“

Daraus erhellt auch, daß gefallene Besatzungsangehörige der "Emden" und Männer, die während der Kriegsgefangenschaft bzw. Internierung verstarben, den Namenszusatz "Emden" zu ihrem Familiennamen nicht erlangen konnten. Ob Witwen oder Waisen von "Emden"-Fahrern das Recht auf Namensänderung zugestanden wurde, ist aus der von mir eingesehenen umfangreichen Akte nicht zu ersehen. Ich möchte es aber bezweifeln, denn schließlich sollten die Überlebenden der Kriegsbesatzung durch die Namensänderung geehrt werden. (vgl. Schreiben des BMI vom 8.6.1933).

In der eingesehenen Akte befindet sich eine am 8. 11. 1927 von Konteradmiral a.D. v. Restorff, 1911-1913 Kommandant SMS "Emden" – später Vorsitzender der "Emden"-Vereinigung – erstellte Liste über die bis zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgten Namensänderungen. Die Liste enthält 15 Namen von ehemaligen Besatzungsangehörigen der "Emden". Namensänderungen von Witwen und Waisen sind dabei nicht aufgeführt.

Melms schreibt zwar in seinem im Heft 8/70 der MARINE veröffentlichten Leserbrief, daß auch die Witwe des verstorbenen "Emden"-Kommandanten Fregattenkapitän von Müller, Frau Jutta von Müller, und ihre beiden Töchter sich ebenfalls „von-Müller-Emden“ nennen durften, und zwar laut Verfügung des Reichspräsidenten Hindenburg vom 16. März 1934.

Ich bezweifle die Richtigkeit dieser angaben, denn in Preußen wurden Namensänderungen von 1912 bis November 1932 vom preußischen Justizminister und danach vom Innenminister verfügt. Es war nie Aufgabe des Staatsoberhauptes, Namensänderungen zu genehmigen. Der ehemalige Kommandant von SMS "Emden" verstarb am 11. März 1923 als Kapitän zur See a.D. in Braunschweig. Sein Familienname im Sterbeeintrag lautet „von Müller“. Auch daraus ist m.E. erkennbar, daß der Namenszusatz "Emden" nicht kaiserlicher Gunst entstammt, sonst hätte von Müller sich bis zu seinem Tode sicherlich „von Müller-Emden" genannt.

Zum Schluß darf noch bemerkt werden, daß sicherlich nicht alle Männer der Kriegsbesatzung der "Emden" von der Möglichkeit der Namensänderung Gebrauch gemacht haben (in einem Antrag vom 16. 9. 1933 wird von 91 bisher bereits genehmigten Namensänderungen gesprochen), und daß auch nicht allen Anträgen entsprochen worden ist.

In Bremen wurde z.B. im März 1934 ein Antrag abgelehnt, weil der Antragsteller 1932 wegen fortgesetzter Amtsunterschlagung zu sechs Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt worden war. Einem anderen Antragsteller wurde im Jahr 1914 mitgeteilt, daß seinem Wunsch auf Namensänderung vorläufig nicht entsprochen werden könne. Es wurde anheimgestellt, nach dem Krieg einen erneuten Antrag zu stellen. Ob dies geschehen ist, sagt die Akte leider nicht aus."